Seit dem Jahr 1636 wird am ersten Sonntag im Juli in Störmede der Lobetag gefeiert. Diese alte Tradition geht zurück auf ein Gelübde, das die Störmeder Bevölkerung, damals als Dank für die Verschonung vor der Pest abgelegt hatte. Bis in unsere Zeit hinein wird diese Tradition mit großem Engagement der Gläubigen lebendig gehalten, was man nicht nur daran erkennen kann, daß der Weg von der Pfarrkirche bis zur Lobekapelle am Ortsrand mit vielen Fahnen geschmückt wird, sondern ebenfalls daran, daß zu den einzelnen Gottesdiensten auch viele ehemalige Störmederinnen und Störmeder Jahr für Jahr in ihre Heimat zurückkehren.
Dabei beginnt das umfangreiche liturgische Programm an diesem Tag bereits mit einer Frühmesse um 5 Uhr. Um 9 Uhr findet dann das festliche Hochamt und am Nachmittag eine Sakramentsandacht statt, zu der die Gläubigen jeweils in feierlicher Prozession begleitet von Fahnenabordnungen, Ministranten und Kommunionkindern von der Kirche aus mit dem Allerheiligsten zur Lobekapelle ziehen. Aus Anlass des 1200-jährigen Dorfjubiläums hielt in diesem Jahr Reinhard Kardinal Marx, der Erzbischof von München und Freising, ein feierliches Pontifikalamt und verriet bereits zu Beginn, daß er schon seit seiner Kindheit viel vom Störmeder Lobetag gehört habe und sich besonders darüber freue, ihn nun einmal selber erleben und mitfeiern zu können.
In seiner Begrüßung erinnerte Pastor Thomas Zwingmann daran, daß die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, in der die Tradition des Lobetags ihren Anfang nahm, in manchem unserer heutigen Situation gar nicht so unähnlich gewesen sei. Die bisherige Ordnung geriet aus den Fugen und inmitten all der Verwüstungen stellten sich viele Menschen die Frage nach der Zukunft. Ausgehend vom Evangelium führte Kardinal Marx dann in seiner Predigt diesen Gedanken weiter, indem er darauf hinwies, daß die Geschichte der Menschheit immer auch eine Geschichte von Krieg, Gewalt, Unglück und Leid sei. Und während man die Götter der alten Welt meinte bestechen zu können, kommt mit Jesus von Nazareth ein völlig neues Bild in die Geschichte hinein, das Bild eines wehrlosen Gottes, der am Kreuz hängt und der alle Menschen an sich ziehen will: „Her zu mir alle Mühseligen und Beladenen! Kommt an diesen Tisch, denn hier gibt es die Nahrung, die nicht verdirbt. Und deswegen freue ich mich, daß auch heute viele gekommen sind und daß so ein Lobetag auch wieder Rückenwind geben kann und Trost. Denn das ist der Kern unseres Glaubens, daß wir an seinem Tisch, wenn wir sein Wort hören, froh werden und getröstet sind.“
Der Erzbischof von München und Freising empfahl in seiner mit manch persönlichen Erinnerungen gespickten Ansprache gerade angesichts der Herausforderungen der heutigen Zeit, den Mut nicht sinken zu lassen: „Das Störmeder Gelöbnis war ja auch Ausdruck des Dankes, daß man in allen Katastrophen und schrecklichen Erfahrungen von Krieg und Gewalt und persönlichen Schicksalsschlägen immer wieder aufstehen kann in der Hoffnung: Am Ende falle ich in seine Arme. Am Ende bin ich geborgen. Am Ende kann ich Vertrauen haben in das Miteinander, daß er mich anschaut und da ist. Und wenn wir in dieser Spur gehen, dann wird unser Leben gut!“
Im Anschluß an das Pontifikalamt, das vom Musikzug Störmede unter der Leitung von Ulrich Meilfes begleitet wurde, zog die Prozession wieder zurück zur Pfarrkirche, wo Kardinal Marx das Te Deum anstimmte und allen Anwesenden den sakramentalen Segen erteilte.